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Historisches

Die Geschichte des Vereins

In politisch bewegter Zeit wurde im Jahre 1864 der erste Bredstedter Männerturnverein, der MTV, gegründet und ist damit einer der ältesten Vereine im nördlichen Teil Schleswig-Holsteins. Nach der misslungenen Erhebung von 1848 und den kriegerischen Ereignissen vom Frühjahr 1864 mögen nationale Gefühle eine entscheidende Rolle bei der Gründung gespielt haben. Es war wohl damals der Kaufmann Franz Herrmann, der erste Anregungen zur Vereinsgründung gab und dem es gelang, junge Leute für die neue Sache zu gewinnen. So wurde am 24. April 1864 im Haus des Kaufmanns Peter Boysen, Osterstraße 53,die Gründung des Vereins vollzogen, und Aktuar Nissen, ein deutsch gesinnter Schleswig-Holsteiner, übernahm als 1. Vorsitzender die Leitung des neuen Vereins. 18 Turner, 58 Turnfreunde und 21 Turnschüler gehörten dem MTV im Jahr der Gründung an. Unter den Mitgliedern waren 14 Handwerker, 16 Landwirte, 10 Gelehrte, 2 Lehrer, 10 Angestellte, 18 Kaufleute, 5 sonstige Berufe, ein Rentner, aber keine Arbeiter. Aus den ersten drei Jahrzehnten des Vereinslebens ist wenig bekannt, da das erste Protokollbuch laut Niederschrift vom 15. Januar 1895 auf unerklärliche Weise verloren gegangen ist.
Da der Besuch der Turnstunden Ende des 19. Jahrhunderts offenbar zeitweilig stark nachließ, diskutierte man 1897 über einen Auflösungsantrag. Ernste Ermahnungen, das Turnen fortzusetzen und ein gemeinsam mit dem Husumer Turnerbund veranstaltetes Werbe-­Schauturnen brachten wohl neuen Auftrieb. Der Vorstand gewährte Geldprämien als Anreiz für stetigen Turnbesuch. Wer beim Turnen mehrfach fehlte, musste beim Kassierer eine Geldbuße abführen. „Andauernde Versäumnis bedingt Ausweisung aus dem Verein.“ Die Einnahmen des Vereins reichten für die Anschaffung von Geräten nie aus. Die Protokolle berichten über Jahrzehnte immer nur von Einnahmen und Ausgaben, die sich in einer Größenordnung von 200 Mark bewegen. Bei den geringen Mitgliederzahlen war kein größeres Beitragsaufkommen möglich. Bei einer Generalversammlung 1901 wird die Teilnehmerzahl von 32 Mitgliedern als gut gewertet, das war die Hälfte des Bestandes. Immer wieder ist man auf finanzielle Zuwendungen angewiesen. Besonders erwähnt werden die Spar- und Leihkasse zu Bredstedt und der Handwerkerverein, die mehrfach namhafte Beträge zur Verfügung stellten. Wohl 1907 wurde erstmals in Bredstedt Fußball gespielt, es gründete sich der Fußball-Club „Frisia“.
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Männerturnverein 1910
Es wurde nur noch in den Sommermonaten auf dem Sportplatz Leichtathletik und Spiele betrieben, da die Halle nach kurzer Unterbrechung mit Militär belegt wurde. Durch das Eingreifen der H.J. und des B.d.M. kam das Jugendturnen fast zum Erliegen und wurde eine Einigung auch nie erreicht, da man unseren Ju­gendwart nicht anerkannte. Da von der Vereinsführung noch kaum einer zuhause war, sind die Geräte von Einheiten der Marine und des Heeres sowie von. einem H.J.- Lager history003angeblich leihweise zur Benutzung ausgegeben und abtransportiert worden, mehrfaches Absuchen der Lager in der Umgegend haben davon nichts mehr vorfinden lassen, so dass unser gesamter Gerätebestand nicht mehr auffindbar war. Im Mai 1945 hat der Verein nur noch auf dem Papier existiert, nach meiner Rückkehr aus der Gefangenschaft Ende Juli l945 wurde mir gesagt, dass das Vermögen des Vereins beschlagnahmt sei. Veranlasst durch Nachfragen von allen Seiten der Turner und aus Interesse an der Turnsache, der man über 25 Jahre treu gedient hatte, stellte ich mich dem Bürgermeister zur Verfügung, den Turnbetrieb auf irgend eine Weise wieder in Gang zu bringen, wurde aber als ehemaliges Parteimitglied dazu nicht zugelassen. Unter der Leitung von Erich Jensen wurde am 5.12.45 ein neuer Verein ins Leben gerufen, der die Traditionen des bisherigen Vereines weiterführen wird und sich Bred­stedter Turn- u. Sportverein nennt. Damit war meine Tätigkeit als früherer Vereinsführer als beendet anzusehen.
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1946
Schon am 7. November 1945 wurde ein neuer Anfang gemacht. Bei einem Treffen, an dem Erich Jensen, Broder Thomsen, Hans Pahl, Johann Sievers, Siegfried Petersen, Heinz Schink, Luise Momsen und Harry Clausen teilnahmen, wurde deutlich, dass weite Kreise der Bevölkerung den Wiederaufbau des alten Turnvereins wünschten. Der Wirt der „Centralhalle“ gestattete die Abhaltung der Turnstunden in seinem Saal. An der Gründungsversammlung am 11. Dezember 1945 nahmen außer den Genannten noch Willi Buttkus, Martin Gregersen, Hermann Hagemann, Erich Heisler, Georg Hoffmann, Ewald Hoffmann, Harald Nommensen, Jochen Jeß, Max Paulsen, Harald Rosacker, 0tto Rosacker, Willi Schnoor und Bruno Verhagen teil. Mit Vertretern der 1924 gegründeten Freien Turnerschaft, dem 1929 gegründeten Bredstedter Fußballverein und dem früheren Arbeiterturnverein einigte man sich schnell, dass es am Ort nur „eine Sportbewegung“ geben
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Siegfried Petersen
sollte. Der Name des neuen Vereins wurde in „Bredstedter Turn- und Sportverein“ abgeändert. Erich Jensen wurde 1. Vorsitzender des Vereins. Mit einer Unterbrechung von einem Jahr blieb er bis 1955 in diesem Amt.
Es gab viel zu tun: Die Turnhalle war besetzt, die Geräte waren verstreut, der Sportplatz musste hergerichtet werden. Dieser Aufgabe verschrieb sich Otto Krüger, der Platzwart wurde. Die Mitgliederzahlen wuchsen von 150, vier Wochen nach der Neugründung, auf 905 im nächsten Jahr. Der vom Vorstand 1947 angestellte Sportlehrer Kurt Maschollek holte die Deutschland-Riege der Turner zu einem Schauturnen nach Bredstedt. Er war bald nicht mehr aus dem Vereinsleben wegzudenken.
Der Leistungsanstieg bei den Turnerinnen und Turnern war beträchtlich. Leider konnte der BTSV den erfolgreichen Sportlehrer nach der Währungsreform nicht auf Dauer halten. Mitglieder der Mädchengruppe schwärmen noch heute von dieser Zeit: vom Ferienlager in der Jugendherberge Sylt, mit Training von Annemagret und Kurt Maschollek und vom herzlichen Empfang der erfolgreichen Turnerinnen Ute Preisler, Inge Bandixen, Luise Bandixen und Gerda Nehls, in Bredstedt, als sie 1950 aus
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Fußballmannschaft 1947
Ingelheim am Rhein heimkehrten. Ute Preisler war zum zweiten Male deutsche Jugendmeisterin im Geräteturnen geworden. Ein Jahr später kehrten diese Turnerinnen und Gisela Johannsen vom Weltturntag in Florenz, an dem 4000 Turnerinnen und 5000 Turner aus fast allen europäischen Ländern teilgenommen hatten, mit außergewöhnlichen Erfolgen, Preisen und Pokalen zurück.
Große Erfolge feierten in den ersten Nachkriegsjahren Bredstedts Fußballer. In Kappeln gewannen sie 13:1, wobei sich fast die ganze Mannschaft am Toreschießen beteiligten; dort soll der sagenhafte Ruf über das Spielfeld gegangen sein: „Torwart vor, noch ein Tor!“. 1964 beging der BTSV sein hundertjähriges Vereinsjubiläum. Johannes Ruge, seinerzeit sicher einer der
Deutsche Jugendmeisterinnen 1949 in Arnsberg
Deutsche Jugendmeisterinnen 1949 in Arnsberg
jüngsten Vereinsvorsitzenden in Schleswig-Holstein, eröffnete im „Clubhotel“ das Jubiläumsjahr. Dem Vorstand gehörten an: Johannes Ruge als 1. Vorsitzender, Walter Peters als 2. Vorsitzender, sowie Ingrid Braumüller, Ida Lampe, Karl-Heinz Dominke, Karl Heinz Christiansen, Thomas Hansen, Wilhelm-Otto Ohlhoff, Jürgen Sörensen, Rudolf Grube, Heinz Schink, Georg Hoffmann und Peter Thomsen.
Erst Ende der sechziger Jahre, als mit dem Neubau der Grund- und Hauptschule eine weitere Turnhalle zur Verfügung stand, konnten mehr Sportgruppen in den Turnhallen untergebracht werden. Doch dieser Neubau konnte den Raummangel nur für kurze Zeit etwas mildern. Besonders für die wachsende Sparte Handball und auch für weitere ballspielende Sparten fehlte
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Dt. Turnfest 1963 in Essen
eine große Sporthalle, die erst Ende 1976 Wirklichkeit wurde. Mit dem Bau der neuen Grund- und Hauptschule auf dem Gelände zwischen Turnhalle und Gartenstraße verlor der Verein den alten Sport- und Fußballplatz. Der drohende Notstand konnte durch die Schaffung eines Ersatzsportplatzes auf der „Bohnschen Koppel“ an der Tondernschen Straße beseitigt werden. Dieser Platz wurde von der Stadt Bredstedt zur Verfügung gestellt und durch freiwillige Arbeitsleistungen und Spenden der Sportler soweit hergerichtet, dass er nach Aufstellung von Toren und Ballfangnetzen im Sommer 1965 bespielbar war. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Sportes in Bredstedt, Kaufmann Ernst A. Westphalen, dankte allen Bürgern, die es durch Geldspenden und Arbeitsleistungen ermöglichten, dass dieser Platz den Mannschaften des BTSV zur Verfügung gestellt werden konnte. Die aktive Arbeitsgemeinschaft konnte außerdem einen beachtlichen Geldbetrag sammeln und der Stadt für den Ausbau des neuen Sportplatzes an der Süderstraße zur Verfügung stellen. 1969 war der neue Sportplatz endlich bespielbar. Der Bredstedter TSV hat sich von jeher dem Breitensport
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v.l.n.r. stehend: Dominke, Christiansen, Hansen, Olhoff, Sörensen, Peters, Grube, Schink; sitzend: Hoffmann, Braumöller, Ruge, Lampe, Thomsen
verschrieben. Dennoch wird in einzelnen Sparten auch Leistungssport betrieben. So kann die Sparte Leichtathletik auf beachtliche Erfolge bei den Schleswig-Holsteinischen Landesmeisterschaften hinweisen. Mehrfach wurden sogar Landesmeistertitel errungen.
Die Fußball A- Jugendmannschaft wurde im Jahre 1993 Landesmeister und die B-Jugend errang die Vizemeisterschaft in der Verbandsliga. 1994 gelang der Fußball A-Jugend sogar der Aufstieg in die Oberliga. Auch die 1. Mannschaft der Handballer schaffte 1994 den Aufstieg in die Oberliga. In den 60er und 70er Jahren spielte die Prellballmannschaft der Männer in der
Verbandsligamannschaft 1966
Verbandsligamannschaft 1966
Meisterklasse des Landes, wurde dreimal Landesmeister und mehrfach Vizemeister. Die 1. Faustballmannschaft gehört zur Zeit der höchsten Spielklasse in Schleswig-Holstein an. Auch die Karatekas konnten in den 80er Jahren mit ersten Plätzen auf Landesebene aufwarten.
Mit den neuen Sportstätten wuchs auch der Verein. Neue Sparten entstanden, die früher ohne ausreichenden Hallenraum kaum Entfaltungsmöglichkeiten gehabt hätten: Prellball, Schwimmen, Volleyball, Karate, Badminton, Faustball und Leichtathletik lebten wieder auf. Die Mitgliederzahlen wuchsen. Ein lang gehegter Wunsch der Fußballer ging 1998 in Erfüllung: Auf dem Sportplatz konnte die neue Zuschauer-Tribüne durch Dr. Harald Nommensen, der über 20 Jahre als 1. Vorsitzender die Geschicke des Bredstedter TSV mit viel Engagement leitete, eingeweiht werden. Zweckgebundene Spenden,
erweiterter Vorstand 1989
Der erweiterte Vorstand 1989
Rücklagen des Vereins und vor allem die Eigenleistungen zahlreicher Vereinsmitglieder ermöglichten den Bau. Das Anwachsen des Vereins brachte auch Probleme mit sich: Die vielen Mitglieder wollen sich sportlich betätigen können, daher müssen ständig Übungsleiter und Betreuer gesucht werden. Das war nicht immer ganz einfach und wird zunehmend schwieriger. Abgesehen von einigen Engpässen, fanden sich aber immer wieder Mitglieder, die bereit waren, zumindest für einen gewissen Zeitraum, Übungsgruppen und Mannschaften zu trainieren oder zu betreuen.
Texte von Jürgen Sörensen

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